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Stand: 14.06.2016

Pressemitteilung

Informativer Austausch und Anerkennung für Arbeit

Leiterin Elisabeth TraunmüllerLeiterin Elisabeth Traunmüller gibt den Teilnehmer*innen der Videokonferenz einen Überblick.Henning Wiechers / Caritasverband für die Diözese Speyer

"Ich bin ganz an Ihrer Seite, will Sie gern unterstützen, dass es weitergeht": Das versicherte der CDU-Bundestagsabgeordnete und parlamentarische Staatssekretär beim Bundesminister für Gesundheit Dr. Thomas Gebhart am vergangenen Dienstag gegenüber Vertreter*innen der Caritas-Zentren Landau und Germersheim und des Caritasverbandes für die Diözese Speyer bezüglich der Migrationsberatung für erwachsene Zuwanderer (MBE). Vorangegangen war ein informativer Austausch anlässlich des alljährlich ausgerufenen Aktionstages zu diesem Beratungsangebot, das Menschen mit Zuwanderungsgeschichte im Alter ab 27 Jahren in den ersten drei Jahren nach Ankunft in Deutschland offensteht, wenn sie aufenthaltsberechtigt sind oder eine gute Bleibeperspektive haben. Es richtet sich an Flüchtlinge und Spätaussiedler ebenso wie an EU-Bürger oder aus anderen Staaten Zugezogene mit aus unterschiedlichen Gründen erteilten Aufenthaltsgenehmigungen.

Seit 2005 gibt es die Migrationsberatung für erwachsene Zuwanderer (MBE). Sie ist Bestandteil des Integrationsangebotes des Bundes und wird von den Spitzenverbänden der Freien Wohlfahrtspflege sowie dem Bund der Vertriebenen (BdV) getragen. Beauftragt werden sie vom Bundesamt für Migration und Flüchtlinge (BAMF), dem die dafür zur Verfügung stehenden Mittel durch den Bundeshaushalt zugeteilt werden. Auch der Caritasverband für die Diözese Speyer unterhält für die MBE anerkannte Anlauf- und Beratungsstellen - unter anderem in der Südpfalz, unter den Dächern der Caritas-Zentren Landau und Germersheim. Der von der Bundesarbeitsgemeinschaft der Freien Wohlfahrtspflege initiierte "Aktionstag der Migrationsberatung für erwachsene Zuwanderer" soll die große Bedeutung dieses Angebots ins gesellschaftliche Bewusstsein rücken, den Bedarf daran und seine hohe Effektivität bekannt machen, für die Notwendigkeit und Förderungswürdigkeit der MBE sensibilisieren. Der Aktionstag findet normalerweise im September statt, in diesem Jahr wurde er auf den 30. Juni vorgezogen, da er wahrscheinlich in der Endphase des Bundestagswahlkampfes weniger Aufmerksamkeit finden würde, wie die Initiatoren erklären.

Die  VideokonferenzDie Teilnehmer (oben links beginnend, im Uhrzeigersinn): Joachim Mergen, Anna Scheib und Radwan Alhaj Ibrahim, Katharina Schepelmann, Barbara Aßmann, Elisabeth Traunmüller, Dr. Thomas Gebhart, Achmed Nuru.Henning Wiechers / Caritasverband für die Diözese Speyer

Den Zielen des Aktionstages folgend hatten Elisabeth Traunmüller, Leiterin des Caritas-Zentrums Landau, und Joachim Mergen, Leiter des Caritas-Zentrums Germersheim, bereits im Vorfeld die Südpfälzer Bundestagsabgeordneten Thomas Hitschler (SPD) und Dr. Thomas Gebhart (CDU) eingeladen, im Gespräch mit den in der Migrations- und Integrationsberatung aktiven Caritas-Mitarbeiterinnen und Kunden des Dienstes diese Arbeit näher kennenzulernen. Und um ihnen angesichts aktueller Nachrichten über eventuell anstehende Mittelkürzungen zudem den politischen Einsatz für die Existenzsicherung und einen bedarfsgemäßen Ausbau der MBE ans Herz zu legen. Am 15. Juni konnte das Gespräch mit Gebhart geführt werden - der Termin mit Hitschler soll Anfang Juli folgen.

Der Austausch mit Gebhart lief als Video-Konferenz ab. Dabei gaben ihm Traunmüller, Mergen und die Leiterin der Abteilung Soziales beim Caritasverband für die Diözese Speyer, Barbara Aßmann,sowie die Beraterinnen Anna Scheib aus Landau und Katharina Schepelmann aus Germersheim Infos zur Arbeit. Auch die beiden Kunden Radwan Alhaj Ibrahim (Landau) und Achmed Nuru (Germersheim) berichteten von ihren Erfahrungen in der Beratung.

Im Laufe des Gesprächs wurde schnell klar, dass die MBE nicht nur eine große Hilfe für frisch zugezogene Menschen ist, sondern auch sehr wirksam dazu beiträgt, ihre seelische Verfassung und wirtschaftliche Unabhängigkeit zu festigen und letztlich damit auch die von den Steuerzahlern aufzubringenden Transferleistungen für sie zu minimieren. So konnte Elisabeth Traunmüller in ihrem Überblick über Aufgaben und Wirkungen der MBE bundesweit etwa berichten: "Bei Beratungsbeginn bezogen rund 61 Prozent der Ratsuchenden Leistungen noch ALG II, am Ende der Beratung nur noch 39 Prozent". Diese Werte seien 2019 ermittelt worden. Allein im Jahr 2020 seien durch das Angebot über eine halbe Million Menschen erreicht worden.

Wie sich die Unterstützung per MBE konkret darstellt, schilderten die beiden Fachberaterinnen und ihre Kunden beispielhaft. Sowohl der aus Syrien stammende Radwan Alhaj Ibrahim als auch der aus Eritrea nach Deutschland gekommene Achmed Nuru berichteten dankbar von der Hilfe in konkreten Problemsituationen, die durch den Beistand ihrer Beraterinnen bewältigt werden konnten - sei es bei Abschluss und Kündigung von Verträgen etwa zur Telekommunikation, sei es bei der Vermittlung von Sprachkursen, Kontakten zur Arbeitswelt, im Umgang mit Behörden und beim Zugang zu medizinischer Versorgung.

Beraterin Anna Scheib und Kunde Radwan Alhaj IbrahimAnna Scheib und ihr Kunde Radwan Alhaj Ibrahim berichten von Landau aus über den Beratungsalltag.Henning Wiechers / Caritasverband für die Diözese Speyer

Beide konnten sich während der Beratungsphase beruflich etablieren und haben aktuell einen Arbeitsplatz. Und beide - das erwähnten sie mit besonderem Dank - konnten den Nachzug ihrer Familien realisieren. Achmed Nuru verglich die Betreuung durch Katharina Schepelmann mit der Zuwendung von Eltern, bei denen man sich stets Rat und Wegweisung holen könne, und Radwan Alhaj Ibrahim fasste es so zusammen: "Immer wenn ich ein Problem habe, rufe ich Frau Anna, und sie hilft". Die Unterstützung bei den Bemühungen um Familiennachzug und damit verbundener Wohnungssuche werde auch weiterhin eine der Hauptaufgaben bei der MBE bleiben, fügten die beiden Fachberaterinnen an.

Das Spektrum der Herkunftsländer der zu Beratenden und damit auch das Aufgabenspektrum in Landau und Germersheim unterscheidet sich etwas voneinander, konnte Gebhart weiter erfahren. Während in Landau geflüchtete Menschen aus Syrien, Eritrea und Somalia die Haupt-Kundengruppe stellen, suchen in Germersheim auch vermehrt Spätaussiedler und EU-Ausländer oder auch Studierende die MBE auf. Auch Migrantinnen und Migranten, die nicht über die MBE abgedeckt sind, finden bei beiden Caritas-Zentren ein Beratungsangebot - im landesfinanzierten Migrationsfachdienst.

Über die gute Vernetzung der MBE sowohl mit Ehrenamtlichen als auch mit weiteren Hilfsanbietern von freien Trägern wie auf kommunaler, Landkreis- und Landesebene an beiden Standorten gaben dem Bundestagsabgeordneten dann die Landauer und Germersheimer Caritas-Vertreter Auskunft, ebenso Barbara Aßmann, und sie verdeutlichte Gebhart auch die finanzielle Situation und Problematik. Mit den Mitteln aus dem Bundesprogramm, teilweise auch mit Zuschüssen aus kirchlichen Eigenmitteln habe die MBE aufgebaut werden können. Aber es bestehe zusätzlicher Ausbaubedarf, etwa bei der Online-Beratung, die ein sehr wertvolles Instrument sei, oder auch beim geplanten Angebot der Beratung in Fremdsprachen. Allerdings gebe es aktuell Signale aus dem BAMF, dass Mittelkürzungen ab 2023 diskutiert würden. Und Kürzungen mit Kirchengeldern zu kompensieren, werde angesichts der Entwicklung beim Kirchensteueraufkommen kaum möglich sein. "Dadurch ist dann das, was vor Ort geschaffen wurde, gefährdet."

Gebhart zollte der Arbeit der Caritas große Anerkennung und bestätigte: "Das Geld ist sinnvoll investiert, es wäre falsch zu kürzen". Daher werde er sich für die finanzielle Ausstattung der MBE immer stark machen. Allerdings - im Hinblick auf die Bundestagswahl mit ihren möglichen Auswirkungen auf das politische Gefüge - fügte er an: "Aktuell ist leider nichts zu versprechen".

Dennoch sehr erfreut über Gebharts Position zeigten sich die Gastgeber des Gesprächs, Traunmüller und Mergen bei ihren Schlussworten.

 

Text und Fotos: Henning Wiechers für den Caritasverband für die Diözese Speyer




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