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Stand: 14.06.2016

Pressemitteilung

„In den Spuren des Wirkens von Paul Josef Nardini“

Gruppenbild auf der Bühne mit den Nardini-Preisträgern 2019Der Nardini-Preis 2019 ging an die Mitglieder der Gruppe "Bayreuther Aktion" aus der Pfarrei Heilige Cäcilia in Ludwigshafen. Marion Linzmeier-Mehn / Caritasverband für die Diözese Speyer

Die "Bayreuther-Aktion", getragen von einer Gruppe Ludwigshafener Ehrenamtlicher aus der Pfarrei Heilige Cäcilia, wurde beim Caritas-Tag in Germersheim mit dem Nardini-Preis gewürdigt. Die Mitglieder konnten den Preis aus den Händen des Caritasverbands-Vorsitzenden Karl-Ludwig Hundemer und Schwester Roswitha Schmid, Oberin der Mallersdorfer Schwestern im Nardinihaus Pirmasens und Mitglied der Preis-Jury, entgegennehmen. Weihbischof Otto Georgens begleitete die Übergabe.

Zum zehnten Mal vergab der Caritasverband die mit 1000 Euro dotierte Auszeichnung in diesem Jahr. Die Gastgeberstadt des Caritas-Tages 2019, Germersheim, ist die Geburtsstadt von Paul Josef Nardini, dessen Namen der Preis trägt. So fand die Übergabe an einem dem kleinen Jubiläum angemessenen Platz statt. "Wir gedenken damit des Seligen Paul Josef Nardini", erklärte Laudator Hundemer. "Der Pirmasenser Pfarrer galt schon zu seinen Lebzeiten als unerschütterlicher und engagierter Kämpfer gegen soziale Missstände, gegen Hunger und materielle und seelische Not. Seine Lebenszeit und sein Wirken waren geprägt von dem Elend der Industrialisierung, vom Primat der Verfügbarkeit der Arbeiter und der Macht des Kapitals." 

Auf anderen Wegen und mit einem anderen Gesicht begegne auch den heutigen Menschen solche Not: "Die Schere zwischen Arm und Reich, die Verdrängung von Krankheit, Tod und Sterben, Vereinsamung und Vereinzelung, die Not von Flüchtlingen überall auf der Welt, Umweltverschmutzung und Naturkatastrophen in Folge des Klimawandels - all diese Themen lägen wohl auch heute einem Paul Josef Nardini am Herzen."

Gruppe erhält Preis für pastorales und caritatives Konzept

Seit 2010 vergibt der Caritasverband für die Diözese Speyer den Preis an ehrenamtliche Gruppen, die neue Wege gehen, um Menschen in Not zu helfen, so Hundemer weiter. "Der Nardini-Preis wurde ins Leben gerufen, um Initiativen von Gruppen zu unterstützen, die im Sinne der Verbindung von Gemeindecaritas und Sozialraumorientierung Menschen in den Blick nehmen, die im Gemeindeleben vor Ort eher nicht zu sehen sind". Und für all das stehe die "Bayreuther-Aktion". Die Gruppe erhält den Preis für ihr gleichermaßen pastorales wie caritatives Konzept, erklärte Hundemer die Entscheidung der Jury. Es sei ein "absolut preiswürdiges Projekt, ganz im Sinne der Sozialraumorientierung. Niederschwellig, innovativ und eine Form von Graswurzelarbeit". Und nachahmbar sei es auch. 

Besuch im sozialen Brennpunkt - Kontakt zu den Menschen
"Seit sechs Jahren geht eine Gruppe Ehrenamtlicher aus der Pfarrei zusammen mit Pfarrer Dr. Udo Stenz mit einem Bollerwagen, beladen mit Kaffee und Kuchen in den Brennpunkt Bayreuther Straße in Ludwigshafen. Hier suchen sie Kontakt zu den Menschen, die dort in nicht einfachen Verhältnissen leben, die aber in gleicher Weise zur Pfarrei gehören, wie jeder frommer Kirchgänger auch", umriss Hundemer dann in Kurzform den Rahmen der Aktion und erklärte damit zugleich deren Namen.

An der Bayreuther Straße liegen zwei Wohnblockbereiche, die als Notunterkünfte dienen für Menschen aus schwierigen sozialen Verhältnissen, Flüchtlingsfamilien und Menschen, die aus verschiedenen Gründen keine andere Wohnung finden. Entstanden sei die Idee zu den Besuchen, die im Schnitt vierteljährlich, jeweils samstagmittags stattfinden, seinerzeit im Pfarrgemeinderat St. Dreifaltigkeit im Hemshof. Die Teilnehmergruppe habe einen "harten Kern", aber immer wieder kämen auch neue Mitstreiter dazu, oft seien genügend dabei, um zwei Gruppen zu bilden. 

Resonanz der Bewohner ist freundlich
Die Resonanz der in den Bayreuther-Blocks Wohnenden sei in aller Regel sehr freundlich, die mitgebrachten Leckereien würden gern angenommen - je nach Jahreszeit kämen da zum selbstgebackenen Kuchen auch mal Schokonikoläuse, zu Ostern kleine Spielzeuge und Bücher, im Sommer Eis oder von italienischen Gemeindegliedern im Hemshof frisch gebackene Pizza. Die Verbindung der Besucher zur Kirche werde in den sich ergebenden Gesprächen selten erörtert, aber es würden Einladungen zu den Gemeindefesten ausgesprochen - die manchmal zur Freude der Einladenden auch von den Eingeladenen besucht würden.

"Deshalb, liebe Mitarbeiterinnen und Mitarbeiter, versteht die Nardini-Preis-Jury die Auszeichnung der ,Bayreuther-Aktion‘ auch als ein Signal an alle motivierten Menschen guten Willens in unserem Bistum", erklärte der Caritasverbands-Vorsitzende. Wer also ein solches Projekt initiieren wolle, könne gerne auf die Erfahrungen der Ludwigshafener zurückgreifen. "In jeder größeren Stadt gibt es leider Viertel, in denen Menschen in prekären Verhältnissen leben." Gewiss brauche ein solches Projekt vor allem für den Einstieg Mut, vielleicht gar Unternehmungslust: "Mit einem Wägelchen mit Kaffee und Kuchen einfach in ein solches Viertel zu gehen und auszuhalten, dass die Bewohner das zunächst befremdlich finden, dass muss man sich erst mal trauen." Für ihn jedenfalls, unterstrich Hundemer, sei in der Aktion "alles drin, was der Nardini-Preis möchte: innovativ, raus aus den Kirchenmauern, dabei eigentlich gar nicht aufwendig und leicht nachzumachen und vor allem - in den Spuren des Wirkens von Paul Josef Nardini".

Freude über den Preis - Ehrenplatz für die Urkunde
Die nach Germersheim angereisten Mitglieder der Aktionsgruppe, Anne Kroschewski, Johanna Mosbach, Danuta Kambakamba, Antonella Valenti Santa Maggio, Dr. Charles Schommer und Diakon Jean-Jacques Kambakamba nahmen den Preis gemeinsam mit Pfarrer Stenz entgegen. Sie strahlten sichtlich vor Freude über die Auszeichnung. Dass sie von der Zuerkennung des Preises freudig überrascht gewesen seien, bekundeten sie im Gespräch nach der Übergabe. "Wir hätten niemals gedacht, dass wir mit so wenig Aufwand, der für uns selbstverständlich ist, einen solchen Preis bekommen", drückte es Anne Kroschewski auch im Namen derer, die sie bei ihrem Einsatz unterstützen, aus. Sie versicherte: "Die gerahmte Urkunde bekommt einen Ehrenplatz in unserem Pfarrheim". Während ihres sechsjährigen Engagements hätten sie einige Bewohner des Viertels und ihre Schicksale näher kennengelernt, erzählten die Teilnehmerinnen und Teilnehmer weiter. "Die Menschen freuen sich und sind dankbar, wenn wir kommen". Und wenn jemand aus dem Viertel dann einmal die Einladung zu den Gemeindefesten in der Pfarrei annimmt, freue sich das Team erst recht.

Text: Henning Wiechers und Waltraud Itschner / Fotos: Marion Linzmeier-Mehn für den Caritasverband für die Diözese Speyer

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